Gründe für keinen Sex

Vier Gründe, warum Paare keinen Sex haben

Für viele Menschen ist Sexualität einer der wichtigsten Aspekte einer Beziehung. Die sexuelle Anziehung zwischen den Partnern kann einer der Gründe sein, warum sie überhaupt zusammengekommen sind. Aber wenn das der Fall ist, warum geraten so viele Paare in sexlose Zeiten während der Beziehung?

Neuesten Statistiken zufolge haben 15 Prozent der Paare nur etwa 10 Mal im Jahr oder noch seltener Sex. Wenn Sie sich da erkennen, wollen Sie vielleicht herausfinden, was dahinter steckt. Für viele Paare besteht das Problem im Unterschied im sexuellen Verlangen des Partners und sich selbst. Oft ist der Mann derjenige, der häufiger Sex haben möchte. Das bedeutet jedoch nicht, dass Frauen generell weniger Interesse an Sex haben als Männer.

Bei Frauen ist der Sex besonders im Kontext einer engagierten, gefühlvollen Beziehung von großer Bedeutung. Doch können auch in liebevollen Beziehungen eine Reihe von Faktoren dazu führen, dass die erfüllte Sexualität verhindert wird:

Physiologische Faktoren

Physiologische Unterschiede können ein Grund dafür sein, dass eine Frau weniger Verlangen nach Sex hat. Der hormonelle Haushalt kann beeinflussen, ob eine Frau Probleme hat im Liebesspiels erregt zu werden und einen Orgasmus zu bekommen. Zum Beispiel haben die Forscher herausgefunden, dass Testosteron, das einst als das „männliche“ Hormon galt, für den Sexualtrieb beider Geschlechter verantwortlich ist. Männer haben jedoch 10 bis 20 Mal mehr Testosteron als Frauen, was eine mögliche Erklärung für das unterschiedliche sexuelle Verlangen ist. Auch andere hormonelle Faktoren können dazu führen, dass Frauen im Laufe der Zeit ein unterschiedliches Maß an Verlangen haben.

Psychologische Faktoren

Psychologische Faktoren können auch ein geringeres sexuelles Interesse verursachen. Frauen leiden z.B. viel häufiger als Männer an Depressionen. Einer der Symptome dabei ist ein verminderter Sexualtrieb. Zwar gibt es Medikamente zur Behandlung von Depression und diese schaffen auch wirksam die depressive Stimmung weg und man fühlt sich endlich wieder gut gelaunt aber den Sexualtrieb erhöhen sie nicht. Im Gegenteil, sie können sogar verhindern, dann man eine Orgasmus bekommt, was zusätzlich sehr frustrierend sein kann.
Ein weiterer psychologischer Faktor kann die Vorerfahrung sein. Frauen erleben häufiger als Männer sexuelle Übergriffe und das kann deren Sexualität prägen. Auch wenn die Opfer vom sexuellen Missbrauch oft bestrebt sind, gute Geliebte zu sein, können Scham, Angst und beängstigende Erinnerungen zu Blockaden und zurückhaltendem Verhalten führen.

Idealisierte Vorstellungen

Ein weiteres Problem, mit dem Frauen häufiger als Männern zu kämpfen haben, ist das Körperbild. Dieses kann das sexuelle Feeling stark beeinträchtigen. Viele Männer, die sich regelmäßig erotische Bilder in Zeitschriften anschauen, vergleichen das Aussehen deren Frauen mit den Models aus den Medien. Dabei wird oft vergessen, dass die Bilder in den Zeitschriften mit Photoshop bearbeitet wurden und die perfekten Formen nicht selten durch Schönheitsoperationen erreicht wurden. Die hohen Erwartungen der Männer können bei Frauen Zweifel und Unsicherheit in Bezug auf ihr Aussehen auslösen. „Ich habe das Gefühl, wenn wir uns lieben, sieht er nur meine dicken Schenkel.“ sagte eine betroffene Frau. Solche Ängste vermindern das Verlangen und den Spaßfaktor beim Sex.

Es sind aber nicht nur die Männer, die hohe Erwartungen an das Aussehen ihrer Partnerin haben. Oft kommt der Druck von der Frau selbst als Folge des in den Medien vermittelten Idealbilds. So kommt es auch bei Frauen mit verständnisvolleren Männern nicht selten vor, dass sie ihren Körper nicht mögen. Frauen erhalten sehr früh die Botschaft in der Gesellschaft, dass sie um jeden Preis gut aussehen und schlank sein müssen. In vielen Fällen werden durch den hohen gesellschaftlichen Druck sogar Symptome von Magersucht und Bulimie provoziert.

Dies koppelt sich mit dem herkömmlichen Sozialisationsprozess, bei dem Mädchen lernen, sie sollen vorsichtig mit ihrer eigenen Sexualität umgehen. Bei dieser Kombination wird es leicht erkennbar, warum der Anschein entsteht, dass einige Frauen den Sex nicht mögen.

Übermüdung

Ermüdung kann auch ein wesentlicher Faktor für den Unterschied zwischen dem Verlangen von Männern und Frauen sein. Frauen übernehmen immer noch einen überproportional großen Anteil der Hausarbeit und der Kinderbetreuung, auch wenn sie hauptberuflich außerhalb des Hauses arbeiten. Der amerikanische Paarforscher John Gottman illustriert diesen Punkt durch mehrere Studien in seinem Buch „Why Marriages Succeed or Fail“. In einer Studie wurde eine Gruppe von 50 Männern untersucht, die sich als emanzipiert bezeichneten und angaben, dass die Karriere ihrer Frau genauso wichtig sei wie ihre eigene. Erstaunlich war dabei, dass kein einziger von der Gruppe jemals mit seiner Frau ein Gespräch darüber angestoßen hatte, wie man die Haushaltsarbeit aufteilt. Vielleicht fragen Sie sich, wie Sex und Hausarbeit zusammenhängen können? Gottman erklärt es so: „Die einzige Person in der Ehe zu sein, die die Toilette putzt, ist definitiv kein Aphrodisiakum.“ In seinen umfangreichen Untersuchungen zu verheirateten Paaren hat er festgestellt, dass Männer, die mehr bei der Hausarbeit und der Kinderbetreuung leisten, ein besseres Sexualleben und glücklichere Beziehungen haben.

Weitere Anregungen, welche Aspekte noch Ihre Sexualität beeinflussen, finden Sie in unserem Artikel 10 Glaubenssätze, die die Sexualität hemmen.

Artikel: Daniela Dvoretska

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